Der Abschied von Norwegen rückt für mich immer näher. Wenn man Norwegen verlässt, steht man mehr oder weniger vor dem gleichen Problem, wie bei der Einreise. Wie mache ich das mit dem Auto? Falls ihr wie ich der Meinung seit, ein Auto nach Norwegen zu importieren lohnt sich wegen dem hohen Einfuhrzoll nicht, dann seit ihr sicherlich auch im Besitz eines Autos das in Norwegen gekauft wurde. Da neue und gebrauchte Autos in Norwegen wesentlich teurer sind als im Rest Europas, macht es meiner Meinung nach auch keinen Sinn das Auto zu exportieren. Die ideale Lösung ist es das Auto noch in Norwegen zu verkaufen und sich später im Zielland ein anderes Auto zu kaufen. Dadurch spart man nicht nur Geld, sondern umgeht noch eine Menge Papierkram für den Zoll.

Gehen wir das mal am Beispiel Schweden durch. Norwegen ist kein EU Land. Deswegen müsste man eigentlich 10% Einfuhrzoll und 25% Mehrwertsteuer bezahlen, wenn wir unser Auto von Norwegen nach Schweden einführen. Es besteht jedoch die Möglichkeit davon befreit zu werden. Dazu muss man das Auto, wie in unserem Fall, seit mindestens sechs Monaten besitzen und nachweisen können, dass das Fahrzeug normal genutzt wurde. Falls ihr also (rein theoretisch) einen Neuwagen in Norwegen kauft und diesen dann 6 Monate stehen lasst, dürfte das nicht als normale Nutzung gelten. Vor der Einreise über die schwedische Grenze, sollte man bereits das Dokument „Declaration for obtaining relief from customs duty and tax on personal belongings when moving to Sweden“ ausgefüllt haben. Darin gibt es einen extra Bereich zur Einfuhr von Fahrzeugen. Leider kann euch vorher niemand garantieren, dass euer Antrag auf steuerfreie Einfuhr des Autos genehmigt wird. Rein theoretisch sollte es kein Problem sein, aber man weiß nie. Nach der Einreise muss ein Termin für die Ursprungskontroll und die Bilprovning in Schweden gemacht werden. Danach darf man das Auto versichern und fahren. Ach ja, falls das Auto steuerfrei eingeführt wurde, darf es innerhalb eines Jahres nicht verkauft oder umgemeldet werden. Die schwedische Registrierungsstelle würde sowas dann an den Zoll melden und die Steuern müssten nachgezahlt werden. Naja wenigsten gibt es in Schweden die Möglichkeit sein privates Auto steuerfrei mitzunehmen. In Norwegen ist das ja gar nicht möglich.

Jedenfalls wollte ich das Auto unbedingt noch in Norwegen verkaufen. Das geht wie vieles am Besten über die finn.no Webseite. Um das Auto dort einen Monat zum Verkauf anzubieten, bezahlt man 495,- NOK. Ähnlich wie bei eBay kann man dann noch alle möglichen Zusatzoptionen kaufen, damit die Anzeige besser platziert wird. Unseren 14 Monate alten Nissan Qashqai 1.5 dCi DPF Tekna haben wir im Mai 2011 für 299.000 NOK in Tromsø gekauft. Ich orientierte mich zunächst an den Preisen anderer Verkäufer und bot das Auto relativ teuer an. Die Umregistrierung eines Autos lässt sich der norwegische Staat natürlich fürstlich bezahlen. Für unser Auto kostete die Umregistrierung 16.880 NOK. Wer die Gebühr bezahlt wird in den Kaufvertrag geschrieben. In der Regel ist es der Käufer. Der auf finn.no angezeigte Verkaufspreis enthält bereits diese Ummeldegebühr.

Zunächst meldete sich überhaupt niemand, so dass ich zwei Mal mit dem Preis runter gehen musste. Es ist einfacher ein Auto in Oslo zu verkaufen, da dort die meisten Menschen leben. Juni und Juli sind auch ganz schlechte Monate zum Autoverkauf, da dann alle Norweger im Urlaub sind. Nachdem ich mit dem Preis auf 242.000 NOK runter gegangen war, meldete sich eine Familie aus Oslo. Der Verkaufspreis wurde gleich am Telefon noch weiter gedrückt aber wir vereinbarten einen Besichtigungstermin in Tromsø. Auf der NAF Webseite gibt es gute Informationen, wie so ein Kauf über die Bühne geht. Der potentielle Käufer besichtigt das Auto und macht eine Probefahrt (Führerschein zeigen lassen). Dann schreibt ihr zusammen einen Kaufvertrag. Den Vordruck gibt es auch auf der NAF Webseite. Anschließend muss euch der Käufer die Verkaufssumme überweisen. Falls alles wie bei uns am gleichen Tag durchgezogen werden soll, empfiehlt sich ein Bankremisse. Dazu später mehr. Nachdem ihr im Besitz der Verkaufssumme seit, könnt ihr dem Käufer schon die Schlüssel und den ersten Teil der Vognkort überlassen. Der zweite Teil der Vognkort wird an die nächste Trafikkstasjon geschickt oder persönlich hingebracht. Die Trafikkstasjon benötigt dann noch eine Salgsmelding (Vordruck hier). Die Umregistrierungsgebühr muss bezahlt werden und danach ist das Auto umgemeldet. Achtung die meisten Trafikkstasjonen nehmen kein Bargeld. Nach der Umregistrierung ruft der Käufer seine Kfz-Versicherung an und versichert das Auto. Umgedreht meldet der Verkäufer das Auto bei seiner Versicherung ab. Beides kann man telefonisch machen.

Erhalten habe ich 227.500 NOK für das Auto, also eigentlich ein Riesenverlust. Auf der anderen Seite entspricht das knapp 260.000 SEK und in Schweden kostet ein neuer Nissan Qashqai 1.5 dCi DPF Tekna nur 219.000 SEK. Hätte ich vor einem Jahr gewusst, dass wir so schnell wieder aus Norwegen wegziehen, hätte ich mir natürlich keinen Neuwagen gekauft, sondern einen Gebrauchten.

Noch mal zum Bankremisse, in Schweden auch als Postväxel bekannt. Das ist eine schöne Art der sicheren Bezahlung bei Geschäften in denen viel Geld im Spiel ist. Käufer und Verkäufer gehen zusammen zur Bank. Dort lässt sich der Käufer einen Bankremisse in Höhe der Verkaufssumme geben. Alternativ kann man den Bankremisse auch vorher etwas geringer ausstellen lassen und die Differenz bar bezahlen, falls die endgültige Verkaufssumme noch ausdiskutiert werden soll. Bei Ausgabe des Bankremisses durch die Bank, wird das Geld direkt vom Konto des Käufers abgezogen. Ein Bankremisse ist sozusagen wie Bargeld. Allerdings wird auf der Rückseite der Name und die Anschrift des Empfängers geschrieben. Auf der Vorderseite macht man optional dann noch 2 diagonale Striche mit dem Lineal vorn rechts oben nach links unten. Dadurch kann nur noch der Empfänger auf der Rückseite den Bankremisse einlösen. Ohne Durchstreichen kann jede beliebige Person mit Vollmacht den Bankremisse einlösen. Beim Einlösen ist das Geld sofort auf dem Konto des Empfängers sichtbar. Etwas schwieriger ist es, wenn man wie ich bei einer Direktbank ohne Filialen ist. Dann kann man entweder einen Freund fragen, ob er einlösen kann oder den durchgestrichenen Bankremisse per Post einschicken.

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